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Aus den Jahren 1931 und 1932 ist aus dem Vereinsleben nichts Schriftliches überliefert. Doch im Jahr 1933 gibt es unter dem Datum 2, August wieder Auskunft über den Vereinsnamen. "Niederschrift von der vom Vorstand des Turnerbundes einberufenen öffentlichen Versammlung", heißt es eindeutig im Protokollbuch. Und was wir hier zu lesen bekommen, erscheint uns heutigen Demokraten ziemlich "dicke", was jedenfalls die Ansprache" von Herrn Müer angeht, die uns der Schriftführer überliefert hat und die hier nachgelesen werden kann in korrigierter Fassung zwar, doch ohne Änderungen im Text: "Turner, Turnerinnen und Turnfreunde, Sie wissen, dass nach dem Umsturz 1918 unser Turnverein von 1896 durch Überrumpelung umgewandelt wurde und zur Freien Turnerschaft übertrat. Mancher von den alten Mitgliedern wurde, da er da nicht mit einverstanden war, gestrichen, trotzdem er viele 20 Jahre und länger Mitglied gewesen war. Nach der nationalen Erhebung im Januar 1933 durch unseren Volkskanzler Adolf Hitler sind durch Verfügung der nationalen Regierung sämtliche Vorstandsmitglieder der Vereine durch Männer zu ersetzen, die in der nationalen Bewegung tätig waren und Gewähr dafür bieten, unsere Jugend im Sinn der nationalen Regierung zu erziehen. Durch Verfügung des Herrn Gemeinde Vorstehers Ludwig Drell bin ich zum Vorsitzenden des Turnerbundes berufen worden. Nach Gleichschaltung des Vereins bin ich auch von den früheren Mitgliedern der Freien Turnerschaft, nachdem dieselben den §2 der Deutschen Turnerschaft schriftlich anerkannt haben, einstimmig gewählt. Es wird mein Bestreben sein, im Sinne der Deutschen Turnerschaft und zum Wohle unseres deutschen Vaterlandes den Verein zu leiten. Allen deutschen Volksgenossen biete ich die Hand, die mitarbeiten wollen an der großen Volksgemeinschaft unseres Führers Adolf Hitler..." Vom neuen Vorsitzenden werden dann der 2. Vorsitzende, der Schriftführer, der Kassierer, der Männerturnwart und der "Frauenturnwart" benannt. In der Oktober-Monatsversammlung wird darauf hingewiesen, dass der Verein 48 Mitglieder zählt. Der Vorstandsvorsitzende erklärt, dass es nicht angängig ist, wenn die Vorstandsmitglieder nicht vollzählig und pünktlich zur Versammlung erscheinen und dass jedes Vorstandsmitglied, das nicht pünktlich ist, eine Reichsmark in die Kasse zu zahlen hat. Im November werden rund 300 Eintrittskarten für ein Schauturnen des "Turnerbundes" verkauft, und im Januar 1934 wird Klage darüber geführt, dass in den ländlichen Gemeinden der Turnbetrieb unter dem Dienst in der SA (Schutzabteilungen der NSDAP.D.Verf.) leidet. Im Mai 1934 ist erkennbar, dass in der Führung des Vereins die Zügel schleifen, Zu einer außerordentlichen Versammlung erscheint der "Vereinsführer", trotz seiner vorausgegangenen Mahnung im Oktober, sehr viel verspätet, der Schriftführer erscheint überhaupt nicht und es wird weiter festgestellt, dass die Vereinsbeiträge seit vier bis fünf Monaten nicht mehr kassiert worden sind. Bei der "Neuwahl" des Vorstandes hat Vereinsführer H. * o Müer zunächst "seine Mitarbeiter von ihren Ämtern entbunden" und ernennt Karl Göttling zu seinem Nachfolger, der wiederum "seine Mitarbeiter ernennt". Ein weiteres Protokoll gibt Auskunft über eine Monatsversammlung im November. Hier wird über die Kassenlage, die immerhin einen Überschuss von 79,28 Reichsmark ausweist und über Neuaufnahmen berichtet. Und mit B. Hirsch ist offenbar ein neuer "Führer" an die Spitze des Vereins berufen worden. In der Februar-Versammlung 1938 stehen nicht nur die Eintrittspreise für eine Maskerade auf der Tagesordnung, sondern auch der Wunsch der "Untergau-Sportwartin", eine B.D.M.-Sportgruppe im Verein aufzuziehen. (B.D.M. steht für Bund Deutscher Mädel in der Hitlerjugend.D.Verf.). Die Versammlung beschließt: "Eine Sportgruppe für die Mädels halten wir nicht für angängig. Vom hiesigen Verein liegt auch nichts im Wege, im Beisein der Führerin unter der Leitung des Vorturners an den hiesigen Turnabenden zusammen zu turnen". Die Versammlung wird mit einem "Sieg Heil auf den Führer" beendet. Noch zweimal erklingt das "Sieg Heil auf den Führer": Im Juli und im September 1938 nach kurzen Monatsversammlungen mit Mahnungen zur pünktlichen Beitragszahlung und mit Beschlüssen über Eintritts- und Tanzgelder bei Vereinsvergnügen. Und mit dem Protokoll über die Monatsversammlung im Oktober 1938 wird auch das Kapitel "Turnerbund Bemerode" unter dem Hakenkreuz abgeschlossen, Es gibt keine Aufzeichnungen mehr bis zum Ende des Krieges und dem damit verbundenen Zusammenbruch des Reiches und Einmarsch der amerikanischen Panzer auch in Bemerode. Das "Sieg Heil" ist der Oktoberversammlung 1938 offenbar erspart geblieben, denn das Protokoll schließt mit dem Hinweis auf den Schluss der Veranstaltung und den Worten: "Dann erfolgte der Teil des gemütlichen". Und noch etwas aus dem Klagenkatalog des Jahres 1948: Das größte Problem für die Knabenmannschaften ist die Einkleide- und Schuhfrage, wie Tölke erklärt. Angesichts solcher Schwierigkeiten gibt es Beifall aus der Versammlung, als unter dem Tagesordnungspunkt Verschiedenes bekannt wird: Ein Schuhmacher hat sich bereiterklärt, einige paar Stiefel zu reparieren. Im Oktober 1945 bringen die Fußballer in Bemerode, am Rande der weitgehend in Trümmern liegenden Stadt Hannover, das Vereinsleben wieder "in Gang". So entnehmen wir es der Chronik des TSV Bemerode, die dieser 1971 zum 75jährigen Bestehen herausgegeben hat. Sie treffen sich mit zahlreichen Sportlern anderer Sparten bei Plumhoff in der Gaststätte " Zum Viereck", um den Fortgang des sportlichen Lebens in der Gemeinde zu beraten. Es gibt verständlicherweise eine Reihe von Problemen, die auch mit der damaligen Raumnot zusammenhängen. Sie trifft vor allen Dingen die Turner. Ihnen stehen zu Übungszwecken keine Räumlichkeiten zur Verfügung. Um den ersten Schwung des Zusammenkommens zu nutzen, wird gleich ein Vorstand gewählt, mit Georg Tölke an der Spitze. Doch die Kontrollratsgesetze der britischen Besatzungsmacht machen etwas später eine Neuwahl erforderlich, auf der dann Rudi Schling Vorsitzender wird. Da die Fußballer in jenen Tagen den Ton im Verein angeben, nennt dieser sich zunächst "Sportverein Bemerode-Seelhorst" und dann "Fußball-Verein Bemerode". Der zählt 1945/46 etwa 100 Mitglieder. Und allen Schwierigkeiten der unmittelbaren Nachkriegszeit zum Trotz stehen 6 Mannschaften bereits im Punktspielbetrieb: 3 Herrenmannschaften, zwei Jugend- und eine Schülermannschaft. Die erste Herrenmannschaft steigt 1947 in die erste Kreisklasse auf. In diesem Jahr beginnen dann auch die regelmäßigen Aufzeichnungen der Geschäftsberichte der jeweiligen Vorstände beziehungsweise die Berichte der einzelnen Sparten. Auf der Generalversammlung 1947 richtet der nunmehr gewählte Vorsitzende Georg Tölke den dringenden Appell an sämtliche Mitglieder, freiwillig an der Fertigstellung des Sportplatzes auf dem Gelände der Heinemann-Stiftung und am Lager mitzuhelfen: "Dieses ist im Moment die größte Sorge des Vereins, die nur durch Selbsthilfe behoben werden kann.". Die Versammlung stimmt einem Antrag zu, für jedes Mitglied Pflichtstunden einzuführen. Doch in einer anschließenden kurzen Debatte werden Stimmen laut, wonach man "in heutiger Zeit keine Verpflichtungen zu Arbeitsleistungen vornehmen könne". Da sind bei einigen Mitgliedern wohl Erinnerungen an den "Reichsarbeitsdienst" aufgekommen. Der kurz zuvor beschlossene Antrag "wird hinfällig", heißt es im Protokoll, und Vorsitzender Tölke fühlt sich genötigt, alle Mitglieder zur "freiwilligen Opferbereitschaft" aufzurufen. Auf einer Mitgliederversammlung im August desselben Jahres erklären sich 27 Fußballer bereit, eine Nissenhütte zum Platz zu transportieren, in der sich die Spieler künftig umziehen können. Sie wollen, so bekunden sie, bei unentschuldigtem Fehlen 15 Reichsmark Strafe bezahlen. Als Gast wird von der Versammlung Gemeindedirektor Gerlt begrüßt, der vorsorglich meint, "dass der Verein in den meisten Fällen auf eigene Kraft angewiesen ist". Zum Thema Jugendbetreuung findet der Vorsitzende markige Worte: "Da es das Ziel eines Vereins sein muss, dass die Jugend in wirklich straffe Hände kommt". Beklagt wird, dass der Ballwart keine Helfer hat. Nun ja, die Bälle liegen nicht immer spielbereit da. Oft müssen die Gummiblasen und die sich darüber spannenden Lederhüllen geflickt werden. Vorausgesetzt, das entsprechende Flickzeug ist vorhanden. In diesen Tagen keine Selbstverständlichkeit. Genau so wenig wie etwa die Fahrten der Fußballer zu auswärtigen Spielen. Die Kraftfahrzeuge sind requiriert worden und stehen, wenn sie denn fahrbereit oder zugelassen sind, in der Regel nur für Betriebsfahrten oder zum Transport wichtiger Lebensgüter zur Verfügung. Fahrten für den Sport sind extra genehmigungspflichtig. Größere Fahrten für Mannschaften sind, nach dem Bericht des Vorsitzenden auf der Generalversammlung am 19. Januar 1948, nicht zugelassen worden. Er vertröstet die Mitglieder auf die bevorstehende Saison, in der 4 bis 5 (!) Fahrten möglich sein sollen. zurück weiter |